
«Wer mich auf dem «Killove»-Cover sieht, denkt wahrscheinlich kaum, dass ich bei Undergod auch Gitarre spiele. Frauen an der elektrischen Gitarre sind leider immer noch selten. Höchstens zu Promozwecken hängen sich Frauen wie Pornoqueen Jenna Jameson eine Klampfe um. Schade. Gute Gründe dafür, weshalb das so ist, gibt es keine. Das kommt wohl nur daher, dass es kaum weibliche Vorbilder gibt.
Auch meine Idole, Dimebag Darrell und Randy Rhodes, sind Männer - leider tote. Ich spielte schon früher in einer Riot-Girls-Band, doch es brauchte Zeit, bis ich es wagte, voll auf die Gitarre zu setzen.
Mit 28 zog ich nach Los Angeles und spielte mir am G. I. T. (Guitar Institute of Technology) die Finger wund. Zwar war ich da wieder die einzige Frau, aber wenigstens umgeben von Gleichgesinnten, mit denen ich stundenlang spielen oder über Gitarren diskutieren konnte. Das vermisse ich hier in Basel manchmal.

Trotzdem hat sich die Rückkehr vor einem Jahr gelohnt, denn ich hatte gleich die Gelegenheit, bei Undergod einzusteigen. Mit den Jungs konnte ich endlich richtige Konzerte spielen und ins Studio gehen - und nun halte ich mein erstes Album in den Händen.
Eigentlich wollten wir vier unterschiedliche Covers, auf denen immer ein anderes Bandmitglied drauf ist. Das war leider zu aufwändig. Da ein Bild von Karen aus dem Horrorklassiker «Night of the Living Dead» die Grundidee zum Cover war, musste am Ende mein Kopf drauf. Na ja, es ist ja auch eine Ehre, schliesslich ist es das vierte Undergod-Album und ich der Neuling. Das schönste Kompliment ist aber, wenn Frauen unser Konzert gefallen hat und sie dann selbst zur Gitarre greifen. Das lässt mich für die Zukunft hoffen. Doch erst freu ich mich auf die kommende Tour mit Undergod».
Erschienen am 3.11.2005 in «20 Minuten Week». Protokoll Olivier Joliat. Fotos Matthias Willi. Mit freundlicher Genehmigung.