Tourtagebuch 2002

Basel. Freitag, 1. Februar 2002, 05.00 Uhr morgens

Der Wecker dröhnt mir beinahe das Ohr weg. Ach ja, ich muss ja meine Bandkumpels zusammen sammeln und dann geht's die bescheidenen 800 km von Basel nach Hamburg, wo wir uns um 18.00 Uhr mit ZEROMANCER treffen und den gemeinsamen Nightliner entern sollen. Natürlich viel zu früh -typisch Schweizer- kommen wir in Hamburg an. Aber da ich noch den Bus zur Autovermietung bringen muss passt das. Am Rande der Reeperbahn laden wir den ganzen Krempel aus und unser Soundmann André hat den Auftrag dort (im Freien!!) auf uns zu warten bis wir wieder zurück sind. Ich glaube er hat sich dabei fast in die Hosen geschissen.

Ich meine... hey... es ist dunkel, du bist alleine auf St. Pauli und neben dir stehen Instrument und Verstärker im Wert von ca. 15'000 EURO....

Der Nightliner mit den Musikern von ZEROMANCER, Crew und Technikern erreicht pünktlich um 18 Uhr den vereinbarten Meeting-Point am Hamburger Domplatz. Im Bus herrscht dann erstmal noch eine ziemlich zurückhaltende Stimmung. Smalltalk. 16 sehr unterschiedliche Personen während einem Monat auf engstem Raum vereint. Das kann ja heiter werden. Doch alle sind völlig cool und nach den ersten paar Bieren ist alles bereits ganz locker. Mir fällt schon von Anfang an auf, dass bei ZEROMANCER Alex (der Sänger) und Kim (Bassist) die Rädelsführer sind - und definitiv auch die Womanizer auf der Tour. Mit dem aus den USA stammenden Gitarristen Chris tausche ich Tourerlebnisse aus und irgendwann mal verziehe ich mich in mein Bett.

London. Samstag, 2. Februar 2002, "Underworld" in Camden-Town

Ich wache auf und mir ist speiübel. Wir sind auf der Fähre von Calais nach Dover und draussen tobt ein ziemlich wilder Wellengang. Soll ich jetzt hier schon am ersten Tag alles vollkotzen? Gegen Mittag erreichen wir London und die Odysse zum Club kann beginnen. Irgendwann erreichen wir schliesslich den Kultclub "Underworld" in Londons Camden-Town. Die Local-Crew vom Club ist der Hammer. In Rekordzeit ist der Anhänger ausgeladen und das Equipment in den Club geschleppt. Dann erstmal Ernüchterung. Das ganze Licht ist noch nicht da und deswegen kann mit dem Bühnenaufbau noch nicht begonnen werden. Es reicht jedoch zu einem Soundcheck für beide Bands.

Alle Musiker drei Bands sind zeimlich nervös vor dem Gig, denn schliesslich hat keine der Bands einen offiziellen Album-Release in England und es ist zu befürchten, dass der Club ziemlich leer sein wird. Am Abend ist der Laden mit gegen 300 Leuten gut gefüllt und im Publikum hat es ziemlich illustere Gestalten. Pünktlich um 19.30 Uhr besteigen Conetik dann die Bühne. Das Dark-Elektro-Techno-Duo aus Norwegen peitsch ihre Computerbeats auf das Publikum, aber man merkt, dass die Jungs auf der Bühne mit erheblichen technischen Problemen zu kämpfen haben. Wir besteigen um kurz nach acht die Bühne und rocken los. Das verwöhnte Londoner Publikum geht von Anfang an gut mit. Geil! Wir brettern was das Zeug hält und nach dem halbstündigen Set ernten wir Lorbeeren von den Zuschauern. Dann heisst es Bühne frei für ZEROMANCER.

Das Publikum ist erstaunlicherweise ziemlich vertraut mit dem Material der Norweger und schon beim ersten Song "Something for the Pain" ist vor der Bühne der Teufel los. Die Band legt souverän ihren Set hin und begeistert das schweissgebadete Publikum. Nach dem Gig heisst dann schnell verabschieden von allen und versuchen die Fähre um 1 Uhr zurück auf's Festland zu erreichen. Im Bus herrscht ausgelassene Stimmung und alle dröhnen sich mit diversen Wässerchen zu. Ein gelungener Tourauftakt!

Bielefeld. Sonntag, 3. Februar 2002, "Forum"

Am morgen wachen alle im Bus mit einem kräftigen Hangover auf. Verzweifelt wird versucht die Kaffemaschine in Gang zu kriegen, was schliesslich auch gelingt. Da allerdings kein stilles Wasser vorhanden ist, wird der Kaffee mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser gekocht. Na dann vielleicht doch lieber warten... Irgendwann gegen Mittag erreichen wir den Club in Bielefeld. Schnell merken wir, dass wir die fleissige Crew aus London noch ein paar Mal vermissen werden auf Tour. Die Stage-Hands vor Ort sind doch eher etwas lethargisch drauf. Egal. Wir stürzen uns auf das reichhaltig vorhandene Catering und vertreiben uns die Zeit bis zum Soundcheck mit dummem Rumgelabere. Eigentlich sowieso unsere Hauptbeschäftigung die ganze Zeit.

Noralf (ZEROMANCER-Drummer) lernt schnell die nicht ganz jugendfreien Schweizerdeutschen-Ausdrücke die wir ihm beibringen. Und natürlich sagen wir ihm nicht ganz die Wahrheit über deren Bedeutung und freuen uns auf den Gig in Zürich. Abends dann ist der Club gut gefüllt.

Auffällig viele Goth-Heads tummeln sich heute im Publikum. Unser Tourmanager Jürgen bereitet uns darauf vor, dass das Bielefelder Publikum nicht gerade als überschwänglich bekannt ist. We'll see..

CONETIK haben heute einen deutlich besseren Gig als in London, der Technik sei dank. Nach dem Gig sind die beiden, übrigens extrem sympathischen, Jungs happy und posen noch ein wenig im Publikum rum. Wir gehen gleich danach auf die Bühne. Den Hadcore-Goths sind wir wohl ein wenig zu hart, dem Rest gefällts und spendet eifrig lauten Applaus. Dass ich beim letzten Song über keinen Gitarrengurt verfüge merkt anscheinend kein Schwein. Ich kämpfe gegen die Schwerkraft und gehe entnervt von der Bühne.

ZEROMANCER bieten eine gnadenlose Show und ich gucke mir den grössten Teil ihres Sets an. "Chrome Bitch" rockt wie die Hölle, bei "Need you like a drug" sind alle Hände in der Höhe und das obligate "Send me an Angel" beendet die Show. Nach dem Gig versuchen alle angestrengt die Party in die Gänge zu kriegen, doch irgendwie sind alle zu müde und wir geben uns im Bus "Spinal Tap" auf DVD, das MUSS auf jeder Tour!

Hannover. Montag, 4. Februar 2002, OFF-Day

Wir wachen am Busbahnhof in Hannover auf. Der Motor vom Bus läuft schon seit Stunden, da wir an keinen Strom kommen konnten. Gemeinsam mit Stian von CONETIK machen wir uns auf den Weg um frühstücks-technisch was auf die Reihe zu kriegen. Wir landen in einem Stehkaffee und stopfen Bockwürste in uns rein...

Das "Faust" in Hannover, der Club in dem wir am Dienstag spielen werden, hat erbarmen mit uns und Gaby, unsere nette Busfahrerein, steuert den Bus dorthin wo wir mit Strom versorgt werden, duschen und abhängen können. Thanx!!

Etwa dreimal suchen wir das Internet-Café auf, um unsere Homepage upzudaten und ein wenig Business zu machen. Ansonsten sind OFF-Days meist scheisse-langweilig und dieser ist nicht anders. Unser Basser Patrik und ich entscheiden uns dafür, am Abend im Kino den neuen David Lynch-Film "Mulholland Drive" anzukucken. Gute Entscheidung!! Der Film rockt. Und wir haben Gesprächsstoff für Wochen... Weiss irgendjemand da draussen um was es in dem Film eigentlich geht??? Food for Brain. Ich besorge mir am Kiosk noch ein paar Jägermeister für den Bus....

Hannover. Dienstag, 5. Februar 2002, "Faust"

Ich bin schon früh wach und in meiner Koje riechts wie auf der Schweinemast. Ich entscheide mich für eine Dusche. Ein kleiner Gefallen an mich und alle anderen. Dann geht die Warterei im Club los. Ein bisschen Smalltalk da, ein wenig rumalbern hier und warten, warten, warten. Der Backstage-Bereich ist schon vor dem Gig proppevoll und wir rocken zu den Deftones die aus dem Ghettoblaster knallen.

Hannover ist ZEROMANCER-Land. Schon früh stehen die ersten Mädels tapfer in der Kälte vor der verschlossenen Türe oder lungeren um unseren Tourbus rum. Lustig! Viva machts möglich..

Wir machen uns Backstage auf den Gig heiss und als CONETIC die Bühne entern ist der Club schon gut gefüllt. Die Jungs überzeugen heute völlig. Es zeigt sich schon früh, dass das Hannoveranische Publikum ihrem guten Ruf völlig gerecht wird. Einfach geil!

Wir brettern mit "Amazing" los und von Anfang an ist die Meute mit uns. Vorne am rechten Bühnenrand entdecke ich ein paar bekannte Gesichter die weit gereist sein müssen um uns hier zu sehen. Ja!! Lasst rocken!!

Das Merchandising-Geschäft läuft auch gut und wir sind mehr als zufrieden. Yeah!! Hannover rules!!! Bei ZEROMANCER verwandelt sich das Faust dann endgültig in einen Hexenkessel. Die Songs werden von den Fans wild mitgesungen. Der Bassist Kim hat einige Mühe, sich nicht von den zwei Girls die direkt vor ihm während der ganzen Show wild miteinander rummachen ablenken zu lassen. Zwei Zugaben werden gefordert und auch nachdem das Licht im Saal an ist verhallen die Zugabe-Rufe erst nach einiger Zeit! Hinter der Bühne ist indessen schon eine ziemlich skurille Party im Gange. Girls everywhere, Whiskey, Wein und Slayer aus den Lautsprechen. Später auch noch die Britney Spears (?). What the fuck... !!! Wir bunkern soviel Bier wie wir nur tragen können und verziehen uns im Bus. Die Party geht weiter bis spät nachts. Und als wir um 4.00 Uhr morgens die Kojien entern hört man immer noch Gegröhle und lallende Schweizer, Norweger, Deutsche und Amis.

Willhelmshaven. Mittwoch, 6. Februar 2002, Pumpwerk

Ich bin mal wieder der erste der wach ist und putze mir erst mal mit abgestandenem Fanta die Zähne, das Wasser ist alle. Kurzer Blick aus dem Fenster und... wo sind wir eigentlich?? Die Rückseite des Tourpasses git Auskunft: Willhelmshaven. Ich mache mich auf die Suche nach einem Internet-Café, meine Lieblingsbeschäftigung auf dieser Tour. Die Einheimischen hetzen mich durch die ganze Innenstadt. Mir fällt auf, dass ich kein einzges Tourplakat hängen sehe, das verspricht nichts gutes. Spät Nachmittags erreiche ich wieder den Club und studiere das Programm. Wieder mal scheint man einige Probleme mit unserem Namen gehabt zu haben; undergood steht da in grossen Lettern. Und Conetik heissen heute Conectik. Trottel! Ausserdem scheint das Pumpwerk nicht gerade ein Rock-Mekka zu sein. Wir stehen da als einziger Rock-Event zwischen Recken wie Karl Dall, dem Bremer Singsang-Orchester etc. Auch eine halbe Stunde nach Türöffnung ist der Saal nur spärlich bevölkert. Tja, etwas Promo hätte wohl nicht geschadet...

Als CONETIK auf der Bühne loslegen stehen die vielleicht anwesenden 100 Leute brav im Halbkreis vor der Bühne. Sie legen einen guten Set hin und nach dem Gig verkaufen sie eine ganze Menge ihrer Maxi-CD's und geben fleissig Autogramme, was die beiden sehr amüsiert. Als unser Intro durch den Raum schallt sind vielleicht 130 Leute anwesend. Wir legen einen ziemlich guten Gig hin und das Publikum wippt und klatscht fleissig mit. Patrik ist neben mir heftig am rumposen. Yeah!!! Rock hard!!!

ZEROMANCER bringen dann das Publikum endgültig in Wallung und schmettern ihre Elektro-Beats in den Saal. Wie immer versuchen vor der Bühne die Mädels fleissig die Aufmerksamkeit von Kim und Alex zu ergattern. Bei der Zugabe "House of Cards" ist es Gaby, Patrik und mir nicht zu peinlich mit Wunderkerzen vor der Bühne zu stehen und ich sehe das Grinsen auf Kims Gesicht während er uns mit einem freundlichen Teufelsgruss zuwinkt. Später am Merchandising-Stand müssen Stian und ich ZEROMANCER-Plakate signieren (??!!)

Die Stimmung im Backstage ist auch ziemlich gut. Schliesslich hat St. Pauli heute Bayern München 2-1 geschlagen.... und die fünf Kiesten Bier sind bald alle. Ich amüsiere mich über die Zahnspangen-Mädels, die schüchtern in der Ecke stehen und aufmerksam zuhören, während im Raum norwegisch, englisch und Schweizerdeutsch geplaudert wird.... Zurück im Bus trennt sich dann der Spreu vom Weizen; die Metalheads schauen sich im unteren Teil des Busses ein Judas Priest-Special an während oben American History X läuft. Ich bange noch eine Stunde mit und verziehe mich müde zu den Klängen von "Breaking the Law" in meine Koje.

Bremen. Donnerstag, 7. Februar 2002, Tower

Ich wache auf und unter meinem Kopfkissen klingelts und vibrierts. Aha - SMS erhalten von meiner Liebsten. Der Tag fängt auf jeden Fall gut an... Ich stolpere aus dem Bus um mir Bochum anzuschauen. Irgendwie komisch, das sieht hier aus wie gestern. Das ist gestern! Wir sind immer noch in Willhelmshaven. Shit. Mit den Jungs von ZEROMANCER kucke ich mir irgendeine norwegische Sitcom an (???). Ich hab überhaupt keinen Plan um was es geht und entschliesse mich, meine Zeit vernünftig zu nutzen und mich gescheiter Literatur hinzugeben..und blättere in der Mötley Crüe-Biographie. ROCK'N ROLL!!!

Die Fahrt von Willhelmshaven nach Bremen ist angenehm kurz und wir erreichen den Tower. Geiler Club, genau nach meinem Geschmack!!! Klein aber fein. Im Vorverkauf gingen bereits weit über 100 Tickets und wir können uns auf ein volles Haus freuen. Kurz noch das Internet-Café ausfindig machen um die Fan-Mails beantworten und dann schnell zurück in den Club wo noch ein paar Interview-Termine anstehen. Unser Drummer Fran wird seit Stunden vermisst aber ich kann mir schon denken wo er ist. Der Tower liegt ja günstig...

Im Backstage steht zu unserer Freude ein Kicker und es gibt ein paar Länderspiele Norwegen-Schweiz, "Disorder" von System of a Down knallt aus den Boxen und alle sind heiss auf den Gig. Der Club ist schon übervoll als CONETIK auf die Bühne gehen. Das Publikum ist sehr dankbar heute. Die Jungs liefern einen guten Gig und umso mehr ich mit den Songs vertraut bin, umso geiler finde ich es und wippe heftig mit.

Wir legen mit "Amazing" los und das Publikum ist sofort mit uns. Yes!! Bremen rules!! Direkt vor der Bühne steht wie allabendlich die ZEROMANCER-Hardcore-Fan-Base - wildgeschminkte kleine Mädels. Die Stimmung steigt von Song zu Song und bei "Desire" kriegen wir schliesslich auch die ZMR-Girls. Mit "Physical" legen wir einen krönenden Abschluss auf die Bretter und die Menge dankts mit Applaus. Wow!! Der Umbau ist die Hölle. Verschwitzt hieven wir unser Equipment über die Köpfe des Publikums um die Bühne frei für ZEROMANCER zu machen. Von ihrem Gig kriege ich nicht viel mit, da noch ein Kumpel aus Oldenburg angereist ist, mit dem wir im Backstage abhängen. Aber ich höre das wilde Geschrei durch die Gänge hallen und weiss, dass sie ein Mörder-Konzert hinlegen. Und nun sitze ich hier und schreibe diese Zeilen, während die Aftershow-Party so langsam in Gang kommt.

Bochum. Freitag, 8. Februar 2002, Zeche.

Die Party gestern hat bei allen seine Spuren hinterlassen. Neben dem langsam unerträglich werdenden Gestank von verschwitzten Socken und T-Shirts im oberen Tei des Busses riechts im unteren Teil wie in einer russischen Kneipe. Der Gig heute in Bochum wurde wegen dem guten Vorverkauf in die Zeche verlegt. Gute Vorzeichen also. Wir stürmen erstmal alle das Buffet. Heute läuft alles in Slow-Motion aber das wird schon noch. Schon früh tummeln sich die ersten Fans um den Tourbus und wollen von allem und jedem Autogramme. Der Backstage ist gegen Abend schon gut gefüllt und die Stimmung steigt. Heute hat sich eine Menge Presse angemeldet. Eine nette Lady ganz in schwarz überreicht mir ein Zeitungsausschnitt wo in grossen Lettern "...undergod aus Seattle.." steht. Äh, hab ich da was verpasst?? Beim Abendessen ist es im Backstagebereich bereits übervoll und es wird mächtig herumgealbert, verarscht und .... gebechert.

Als CONETIK um 21 Uhr die Bühnen entern ist die Zeche mit bereits mehr als 300 Leuten gut gefüllt. Sie liefern einen guten Gig, wenn auch das Publikum etwas zurückhaltend reagiert. Der Sound ist beschissen, was aber mehr an der Halle als an unserem Tonmann André liegt.

Als wir die Bühne betreten ist der Laden brechend voll. Weit über 400 Menschen drängen sich vor die Bühne. Der Sound auf der Bühne ist bereits wie beim Soundcheck extrem ungeil und ich kann nur erahnen, was wir spielen. Shit! Und das heute!! Der Gig ist OK, das Publikum komm gut in Wallung doch irgendwie wäre hier viel mehr für uns dringelegen.

ZEROMANCER kämpfen anfangs auch mit diversen Soundproblem doch lassen sich nichts anmerken und legen sich mächtig in's Zeug. Das Publikum ist frenetisch und die ganze Halle hüpft bei "Need you like a drug", singt bei "Doctor Online" und schwitzt zu "Chrome Bitch". Wir freuen uns für die Jungs. Einfach nur geil. Man merkt, dass sich die Band auf grossen Bühnen wohl fühlt. Und daran werden sie sich ja gewöhnen müssen. Nach der Show ist unser Nightliner umkreist von mindestens 100 Fans, und das Durchkommen ist kaum möglich. Die eine Hälfte macht sich zur Aftershow-Party in's Matrix auf und die andere Hälfte, wo auch ich dazugehöre, feiert im Bus. Gegen 5 Uhr haue ich mich in die Koje und am 7 Uhr morgens höre ich wie Stian besoffen in den Bus fällt und irgendwas wie "..Jääeeigerrrmaaisssterr suuuckksss" lallt...

Gent. Samstag, 9. Februar 2002, Twieoo.

Das GPS verarscht heute morgen unsere Busfahrerin Gaby ganz schön. Doch irgendwie schafft sie es doch und wir erreichen früh den Club. Unser einziger Belgien-Gig steht heute auf dem Programm, doch es ist noch niemand im Club. Auch sonst sind um 12 Uhr Mittag noch alle Läden geschlossen. Was denn hier los?? Irgendwie scheinen die belgischen Uhren anders zu ticken. Endlich kommt der lokale Promoter und wir stürmen in den kleinen Club, der wie ein einziges Schalchtfeld ausschaut. Hier muss gestern eine Mörderparty gefeiert worden sein oder es war Krieg. Überall liegen Glasscherben auf dem Boden, es stinkt wie die Sau nach Pisse, Alk und Chlor und im Klo muss man über Blutlachen waten. Die Belgier scheinen ja ein ganz lustiges Völkchen zu sein... Gleich beim Club um die Ecke hat es einen Waschsalon was Patrik und mir ganz gelegen kommt. Nach einigen Fights mit lokalen Hausfrauen laden wir unsere stinkige Wäsche in die Trommel und warten. Der Spass kostet uns umgerechnet 7 EURO und dauert ewig. Zurück im Club entdecken wir dann im ersten Stock eine Waschmaschine... Während des gesamten Soundchecks fällt dauernd der Strom aus und im Club ist es stockfinster. Nix geht mehr. Die Leute vom Club versuchen uns zu beruhigen und versprechen die Kühlschränke abends vom Netz zu nehmen, dann müsst's klappen (!!!!!).

Die Stimmung ist trotzdem gut und auch Stian kann gegen Abend wieder zusammenhängende Sätze bilden. Der Club ist am Abend brechend voll und das Publikum feiert alle Bands extrem ab. Belgium rocks!!! Im Gegensatz zum Gig gestern in der Zeche ist die Bühne heute zwar klitzeklein und es hängen gerade mal etwa 12 Lampen über der Bühne, aber wir alle rocken was das Zeugs hält und das Publikum ist am toben. Und der Strom hält auch... What a night! Nach der Show herrscht ausgelassene Stimmung im Bus und wir steuern zurück nach Good old Germany.

Münster. Sonntag, 10. Februar 2002, Metropol.

Was ist denn nun los???!! Wildes Kirchenglockengebimmel reisst uns alle aus dem Schlaf. Aaarghh!!! Der Motor vom Bus ist auch seit Stunden am laufen, da wir vom Club noch keinen Strom bekommen haben. Wir machen uns auf zur örtlichen Bäckerei und versuchen unseren Kater mit Kaffee und Fischbrötchen zu vertreiben - was nicht klappt...

Der Backstage ist eine leerstehende Wohnung über dem Club und alle stehen zum Duschen an. Bis ich an Reihe bin siehts im Bad schon aus wie in Belgien. Naja, Augen zu und durch. Heute sind alle wieder etwas auf Standby und erst gegen Abend kommt richtig Stimmung auf. Lustig ist die Nonne vorm Bus, die von Kim ein ZEROMANCER-T-Shirt mit der Aufschrift "All chicks are evil"geschenkt kriegt und das kleine Intermezzo mit mir und der örtlichen Polizei wegen dem Motor vom Bus der unentwegt läuft.

Die Show am Abend verläuft wie am Schnürchen. Man merkt, dass alle Bands so langsam richtig in ihre Routine gefunden haben und für einen Sonntagabend ist das Publikm extrem gut drauf. Am Schluss unseres Sets bedanke ich mich beim Publikum mit den Worten "... Bielefeld, ihr wart geil!!" Ich sehe wie sich die Crew biegt vor lachen. Scheisse, wir sind ja in Münster...

Bei ZEROMANCER entdecke ich ein paar Girls im Publikum, die sich nun bereits zum 5. Mal die Show anschauen. Hardcore. Ich hänge beim Merchandising-Stand ab und bin fleissig am CD's signieren. Nach der Show herrscht im Backstage Rock'n Roll. Girls und Booze. Im Bus das gleiche Bild. Die Abfahrt verzögert sich.

Leipzig. Montag, 12. Februar 2002, Moritz-Bastei.

Irgendwann um 16 Uhr erreiche ich Leipzig. Wow. Die Stadt ist geil. Der Club heute befindet sich in einer alten Burg mit dutzenden Gängen und Gewölben. Ich verlaufe mich den ganzen Tag lang. Wie kann man sich hier nur zurecht finden. Die Bühne ist klein aber fein. Der Soundcheck ist bald hinter uns gebracht und wir verziehen uns in den Bus. Wir erklären diese Woche zur Rock'n Roll-Woche. No compromise!! Als wir in den Club zurückkommen verlaufe ich mich abermals und lande statt auf der Bühne erst im Geschirrlager, dann im Keller und schliesslich wieder draussen. Spinal Tap. Verzweifelt zeigt mir ein Ortskundiger den Weg. Aha, ist ja eigentlich ganz einfach... Als wir auf die Bühne kommen scheint der Club aus allen Nähten zu platzen. Heute ist ausverkauft.

Wir legen los und das Publikum ist bombastisch, feiert uns ab und wir legen den bisher besten Gig der Tour hin. Leipzig rules! Extrem geil hier!! Da wir schon vor der Show gut gebechert haben geht's auch nacher im gleichen Stil weiter.Schliesslich ist Rock'n Roll-Woche. Und die Flasche Johnny Walker die im Backstage bereit steht kommt uns dafür ziemlich gelegen.

Ich schaue mir ZEROMANCER an, die auch einen Mörder-Gig spielen. Alex ist auf der Bühne wild wie noch nie und vor ihm und Kim kommen die Mädels in erstaunliche Wallungen. Später gehe ich im Slalom zum Merch-Stand wo ich Sandra etwas Gesellschaft leiste.

Das Geschäft heute läuft gut und wir sind fleissig am CD's und Poster signieren. In einem Club nicht weit weg soll noch eine Aftershow-Party steigen. Nix wie hin. Ich bin ein guter Gast und die Bar verdient fleissig an mir. Ich labere und labere bis mein Handy klingelt und mir die Hiobsbotschaft überreicht wird, dass sich der Bus jetzt in Bewegung setzt und ich meinen Arsch in Bewegung setzen soll. Scheisse ich bin also der Letzte. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich den Bus. Drinnen widmen wir uns wieder Johnny Walker... Party hard. Ein kräftiger Hangover ist vorprogrammiert!

Potsdam. Mittwoch, 13. Februar 2002, Waschhaus.

Halb auf dem Stuhl und halb im Gang liegend wache ich irgendwann morgens auf. Neben mir liegt Johnny Walker. Leer. Oh Mann, mein Erinnerungsvermögen ist ziemlich, sagen wir mal, angeschlagen. Ich habe komische Narben auf meinem Arm. Verdammt, wieso haben die mich hier liegen gelassen. Ich schleppe mich hoch in meine Koje und schlafe erst noch mal ne Runde. Aus meinen Poren dampft der Whiskey. Um 14.00 Uhr sieht die Welt schon wieder etwas besser aus. Erstmal frühstücken im Club und rumhängen. Alles schauen mich ziemlich mitleidig an und die Frage "..how are you today?" werde ich heute noch einige Mal beantworten müssen.

Beim Soundcheck brummt uns allen der Schädel. Oben im Backstage kommt die Stimmung nur schleppend auf. Kim brilliert mit seinen Deutschkenntnissen und überzeugt mit Sätzen wie " hast Du Arschpfropfen?" oder "ist das Sperma in deinem Damenbart?". Fran und ich entschliessen uns, das einzig Richtige zu tun wenn man einen Kater hat: ein Bier saufen...

Um 21 Uhr ist der Call für den Auftritt von CONETIK. Vom Bühnenrand aus schaue ich mir den Gig an. Das Publikum ist beängstigend ruhig und das lässt nichts Gutes ahnen für uns. Als unser Intro über die Boxen schallt ist der Club schon übervoll und wir legen los. Die Menge geht vom ersten Ton an gut mit und die undergod.-Fans im Publikum toben. Wow. Das haben wir nicht erwartet. Viel zu schnell ist der Gig vorbei. Der Osten rockt! Definitiv! Dankeschön Potsdam. Zufrieden liegen wir uns in den Armen.

Kurz nach 22 Uhr legen ZEROMANCER mit dem obligaten "Something for the pain" los. Anfangs sind die Reaktionen - verhältnismässig - noch etwas verhalten, doch von Song zu Song steigt die Stimmung. Die Lightshow ist heute vom Feinsten und Kim und Alex heizen das Publikum mehr und mehr an. Bei "Doctor Online" und "Need you like a drug" bricht die Hölle los! Alles springt, klatscht und singt. Es werden frenetisch zwei Zugaben verlangt. Cupola" im ersten Zugabenblock ist wirkich ein Hammersong. Als Alex die Menge schlieslich fragt"do you wanna hear a song from die 80's? hallt es ohrenbetäubend zurück "Send me an angel".

Nach dem Gig siehts im Backstage aus wie in der New Yorker U-Bahn zur Hauptverkehrszeit. Mindestens 60 Leute zwängen sich in den kleinen Raum. Die Rock'n Roll-Woche ist auf Hochtouren. Die Abfahrt nach Dresden wurde auf 8 Uhr morgens verschoben, da im Club noch eine heftige Aftershow-Party angesagt ist. Auf zwei Dancefloors wütet der Mob bis früh morgens. Ich verziehe mich irgendwann mal in den Bus und entdecke Stian, der im dunkeln sitzt und von seiner Liebsten träumt. Poor boy. Und ich leide mit ihm....

Dresden. Donnerstag, 14. Februar 2002, Scheune.

Es rumpelt und holpert dass ich fast aus meiner Koje falle. Aha, den Strassen nach müssten wir eigentlich in Dresden sein... Für den Gig heute sind bereits im Vorverkauf knapp 300 Tickets gegangen und das verspricht ein weiteres Mal eine volle Hütte. Die ersten Fans hängen schon früh beim Venue rum und halten uns immer brav die Türen auf. Lustig. Wir vertreiben uns die Zeit mit Fussball und Becks.

Heute geht alles ziemlich schnell und schon bald ist Showtime. Das Publikum ist vom ersten Ton an extrem geil drauf - wie überall im Osten - und CONETIK spielen einen überzeugenden Gig. Bei "Suzanne" bin ich einer im Mob vor der Bühne und tanze ab. Wir entern kurz darauf die Bühne und die Menge geht sofort mit. Bei "Desire" wippt der ganze Saal und bei "Physical" ist wildes Headbanging angesagt. Noch dem Gig stehen die Autogramm- und Fotojäger bereits Schlange und wir posieren und kritzeln uns einen ab.

Als ZEROMANCER schliesslich auf der Bühne stehen kocht der Saal. Bei "Cupola" fangen zwei Mädels vor der Bühne an zu weinen und klammern sich an Alex' Wade fest. Er nimmts gelassen und mit einem Lächeln... Nach der Show steigt noch eine heftige Aftershow-Party. Johnny und Jack machen die Runde und bei Britney Spears fängt ein Girl an zu strippen. Ich versuche Stian von CONETIK davon zu überzeugen ihr es gleich zu machen, doch leider erfolglos. Der Rest ist Rock'n Roll...

Magdeburg. Freitag, 15. Februar 2002, Factory.

Am Morgen kämft der gesamte Bus mit einem kräftigen Hangover und im Backstage machen erstmal Kaffe und Fruchtsaft die Runde. Nachdem mittlerweile auch Alex der Mötley Crüe-Biographie verfallen ist entscheide ich mich mit dem Kauf von "Shout at the Devil" die ganze Sache abzurunden. Ihn freuts. Bereits am Nachmittag ist der Backstage mit Mädels gefüllt die ihren Stars so nah wie möglich sein wollen. Und wir haben vom "Team 1" die Nachricht erhalten, dass sie ab sofort auch undergod. supporten. Cool! Thank you Girls!!!

Auch heute musste der Gig wegen der riesigen Nachfrage in eine grössere Halle verlegt werden, was Vor- und Nachteile hat. Das Konzert muss schon um 23 Uhr zuende sein, da im Factory nachher noch Disco stattfindet. Schlecht für CONETIK, denn als sie um 20 Uhr auf der Bühne stehen ist die Halle noch halb leer. Und wir erfahren nachher, dass die meisten Leute noch beim falschen Venue anstanden. That sucks!!!

Wir haben mehr Glück und als wir loslegen ist die Halle bereits fast voll. Das Publikum ist sofort mit uns und ich entdecke einige bekannte Gesichter in der Menge. Obwohl wir auf der Bühne mit einigen Problemen kämpfen legen wir eine geile Show hin und nach unserem Set verhallen die Zugabe-Rufe nur langsam. GEIL!!! Magdeburg, you guys know how to party!!

Ich schaue mir den ganzen Gig von ZEROMANCER an und schreie bei "Doctor Online" kräftig mit. Vor der Bühne ist die Hölle los und die ca. 800 Leute im Saal hüpfen und klatschen dass das Venue zu explodieren scheint. Nach der Show drängen sich gegen 100 Menschen im Backstage und die lokalen Helfer schleppen kistenweise Bier heran. Es steigt eine ziemlich wilde und feuchte Feier. Kim erklärt mir, dass auf jeder ihrer Touren Bands und Crew einmal "Reise nach Jerusalem" spielen müssen um den Tour-Champ zu ermitteln. Amtierender Meister ist Alex und ich habe mir einiges vorgenommen.

Es kann losgehen. Es wird geschubbst, gestossen und gepöbelt was das Zeugs hält. Von den anfangs 16 Personen sind schliesslich nur noch zwei übrig. Alex und ich. Das Finale ist ziemlich heftig und ähnelt eher einer wilden Keilerei als einem Gesellschaftsspiel. Mit unfairen Mitteln werde ich von Alex ausgetrickst und er behält schliesslich seinen Titel..... Bis spät in den Morgen geht die Party weiter und als wir in den Bus klettern ist's draussen bereits hell....

Zwickau. Samstag, 16. Februar 2002, Alarm.

Auch heute sind alle schwer angeschlagen und der Alk dampft allen noch aus den Poren. Erstmal die Dusche entern und retten was noch zu retten ist. Im Catering-Room steht ein TV und die Norweger schauen sich gebannt Ski-Langlauf an (??). Wir hängen rum wie tote Fliegen und versuchen die Kopfschmerzen zu ignorieren. Das Alarm ist ein geiler Club und die Show ist nahezu ausverkauft, was ein netter Samstag-Abend zu werden verspricht.

CONETIK räumen heute tierisch ab und in der ersten Reihe stehen zwei Girls mit selbstgemalten Conetik-T-Shirts. Stian kann's kaum fassen. Die beste Show bisher für die beiden netten Buben und die CD-Verkäufe laufen auf Hochtouren. Auch wir liefern eine tierische Show und das Publikum ist wild und tobt. Einziger Abtörner sind die Deppen, die sich direkt vor mir vor der Bühne die Fresse einhauen. Das muss nicht sein. Schnell sind auch die Bullen da und die Sache legt sich. Trotzdem, vom Publikum herläuft Zwickau bis jetzt ohne Konkurrenz. Einfach nur geil!!!

Bei ZEROMANCER herrscht Exstase pur. Crazy!! Die Jungs rocken sich den Arsch ab und die Menge tobt. Ich versuche vor der Bühne für Kim ein paar Bilder zu schiessen was nicht ganz einfach ist, mit hunderten wildgewordener Ossis um mich herum. Nach der Show liegen sich alle in den Armen und am Merchandising-Stand heisst es Business as usual; posieren und signieren. Der Bus legt heute schon früher ab und wir lassen bei 80kmh die Party im Nightliner steigen. Zwickau, das war geil!!!

Erfurt. 17. Februar 2002, UNI-Kum.

So langsam verlangt das Tourleben seine Opfer. Mein Körper ist ziemlich geschunden und ich pflege meine diversen Wunden und Blessuren. Ausserdem herrscht im Bus gerade Grippewelle. Alex hat's am schlimmsten erwischt. Der Club heute ist vergleichweise ziemlich klein. Ein Backstage gibt es nicht und wir zwängen uns alle in den uns zugewiesenen Raum im oberen Teil des Clubs. Dafür ist das Catering vom Feinsten. Heute herrscht wieder mal völlige Sonntagsstimmung. Alles sind ziemlich platt und wir hängen rum, lassen uns von Gaby eine Massage verpassen oder versuchen uns in Körperhygiene. Zum Glück stehen noch einige Interviewtermine an, das vertreibt die Zeit. Das Meet & Greet mit ZEROMANCER und zwei Radiogewinnerinnen aus Hannover ist ziemlich lustig. Die beiden sind extrem schüchtern und sitzen stumm da und starren ihre Helden an. Eher ein Meet & Look.

Als die Halle sich füllt, entdecke ich einige Menschen die sich nun zum 7. Mal die Show ankucken. Crazy. Bei CONETIK ist die Stimmung OK. Als wir mit unserem Set beginnen kämpfen wir mit dem nicht vorhandenen Bühnensound. Die Show verläuft ziemlich chaotisch und ich bin gepisst, weil ich meine Stimme nicht höre. Aber egal. Das Publikum klatscht brav und wir versuchen uns nichts anmerken zu lassen.

Bei ZEROMANCER ist die Stimmung dann am brodeln. Ich kriege allerdings nicht viel mit vom ihrem Gig, da ich meinen Krempel zusammenpacke und mit meiner Liebsten nach Hause fahre. Tja, die Ost-Woche ist somit rum und wir sind etwas traurig. Es war geil hier. Danke an alle Fans & Supporter!! Wir werden Euch vermissen... und kommen bald wieder zurück. Versprochen. The East is the BEST!!!

Mainz. Dienstag, 19. Februar 2002, KUZ.

Als ich die Venue erreiche hängen alle wie tot herum. Am Vorabend ist der Geburtstag unserer Busfahrerin Gaby gefeiert worden, und das nicht zu knapp. Alle leiden unter einem kräftigen Hangover. Kim zeigt mir die Fotos und mir wird schnell klar wieso sich alle so beschissen fühlen. Und die Rechnung für die Wieder-Instandstellung des Hotelzimmers dürfte auch nicht gerade ganz billig sein... Bei Alex ist die Grippe nun voll am wüten und er kann kaum sprechen. Nicht gerade gute Vorzeichen für die Show heute, die auch noch von einem Fernsehteam gefilmt wird.

Das KUZ ist mit einer Kapazität von 1000 Leuten ziemlich gross und als CONETIK auf die Bühne gehen sind vielleicht gerade Mal 140 Leute da. Sie geben ihr Bestes doch können das Publikum nicht auf ihre Seite kriegen. Als wir loslegen ist der Laden dann schon gut gefüllt und nach anfänglicher Skepsis geht das Publikum gut mit.

Der ZEROMANCER-Gig wird ein ziemliches Debakel. Beim ersten Song reisst das Fell der Bassdrum, Chris kämpft mit Soundproblemen und Alex und Kim mit ihrer Grippe. Auch das Publikum ist nicht so frenetisch wie sonst. Die Filmaufnahmen sind auf jeden Fall für den Mülleimer. Nach dem Gig hängt Alex halb bewusstlos in der Dusche am Boden vor Erschöpfung. Die anderen sind ziemlich angepisst wegen der Show und alle wollen schnell weg. Ein Tag zum vergessen.

Paris. Mittwoch, 20. Februar 2002, La Locomotive.

Als ich aufwache steht der Bus schon vor dem Venue in Paris, das gleich neben dem Moulin Rouge auf der Pariser Sündenmeile liegt. Patrik schleppt einen Flyer an wo in grossen Lettern ZEROMANCER / COLLAPS (der local Support) / UNDERGOD. steht. Ähem, was denn nun los..??? Spielen wir also doch?? Unser TL Jürgen bringt uns dann die frohe Botschaft: "ihr spielt - CONETIK nicht". Dass Stian und Andreas ziemlich sauer sind versteht sich von selbst... Da im Club erst mit dem Gig begonnen werden kann wenn die Show im Moulin Rouge nebenan beendet ist gibt es für keine Band einen Soundcheck. Das kann ja heiter werden da ausserdem die PA auf dem Stand der 50er Jahre ist.

Schnell ist Abend und auch dir lokale Vorband COLLAPS trudelt im Club ein. Die Jungs führen sich auf wie die Rockstars, machen sich im Backstage breit und essen und saufen uns das Catering weg. Arschlöcher.

Wir sind heute die erste Band auf der Running Order und legen nach 22 Uhr los. Das Publikum ist von Anfang an ziemlich geil und tanzt, klatscht, jubelt. Und das obwohl uns hier keine Sau kennt.

Bei ZEROMANCER kommt dann richtig Stimmung auf.

Stian ist in Kampfstimmung und immer noch stocksauer, dass sie nicht spielen konnten. Die lokale Veranstalterin beschimpft er mit "you fucking bitch" etc. was allerdings bei den Jungs von ZEROMANCER nicht gerade gut ankommt und wollen ihn deswegen von der Security aus dem Laden schmeissen lassen. Ich mache mich für ihn stark und verspreche, mich ihm anzunehmen. Und so landen er und ich in diversen Pariser Bars und Clubs, werden in ca. 3 Halb-Schlägereien verwickelt, um Geld betrogen und von Nutten auf der Strasse als Motherfucker beschimpft. Schon ein komisches Völkchen die Pariser. Aber da wir sowieso ziemlich dicht sind, lässt uns das ganze ziemlich kalt. Im Bus später herrscht immer noch ziemlich eisige Stimmng wegen dem Vorfall mit der Veranstalterin und wir verziehen uns ins Bett.

Zürich. Donnerstag, 21. Februar 2002, Abart.

Heute ist sozusagen unser Heimspiel. Allerdings war Zürich uns in der Vergangenheit echt immer gut gesonnen und wir sind noch skeptisch. Als wir im Club ankommen gibt es erstmal ein riesiges Hallo mit Freundinnen und Freunden und es stehen eine ganze Menge Interviews mit Radio, Print und Fernsehen an. Auch im Backstage herrscht beste Stimmung. Kein Wunder bei dem Goldsegen für die Norweger in Salt Lake City. Alles in allem sind alle happy und auch die Sache vom Vorabend ist geklärt.

CONETIK legen um 21 Uhr im gut gefüllten Abart mit ihrem Set los. Die Schweizer reagieren wie immer sehr reserviert, aber freundlich. Bei uns ist die Stimmung von Anfang an ziemlich geil und wir werden nicht nur von den extra aus Basel angereisten Fans eifrig umjubelt. Cool! Das Zürich-Trauma ist besiegt...

Bei ZEROMANCER dann will zuerst nicht so recht Stimmung aufkommen. Das Publikum ist mit ihren Songs zuwenig vertraut und die Jungs legen sich mächtig ins Zeug. Nach 5 Songs haben sie jedoch die Menge voll auf ihrer Seite und der Club ist am Brodeln.

Wir feiern mit unseren Freunden und haben - wen wunderts - bei Busabfahrt alle mächtig einen sitzen und feiern auf der Fahrt nach Salzburg noch weiter kräftig ab. Irgendwann Mal schlafe ich mitten im Gespräch ein....

Salzburg, Freitag, 22. Februar 2002, Rockhouse.

undergod. zum ersten Mal in Österreich. Wir wissen nicht, was uns erwartet, zumal unser Album hier gar nicht erschienen ist. Wir staunen erstmal über die Lage der Stadt, die praktisch direkt an den Berg gebaut ist. Die malerische Innenstadt erinnert an eine Puppenstube. Fran besinnt sich prompt auf seine Klassik-Roots und marschiert geradewegs ins Geburtshaus von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Rest der Band wandert ins Internet-Café. Täglich gibt's neue enthusiastische Einträge in unserem Gästebuch, das macht Freude.

Der Gig am Abend wird überraschend erfolgreich, obwohl nicht allzu viele Leute da sind. Die ZEROMANCER-Fans schliessen uns sofort ins Herz, alle gehen voll mit und das Publikum peitscht uns sogar fast zu einer Zugabe.

Auch ZEROMANCER legen eine gute Show hin, allerdings fallen wie gestern in Zürich die Mitsing-Teile be "Dr. Online" weg, weil fast keiner die Songs kennt... Die Leute sind aus ganz Österreich angereist. Ausgiebige Autogramm- und Fotosessions folgen, es wird nach Kräften geknipst und signiert.

Wien, Samstag, 23. Februar 2002, Planet Music.

In Wien kriegen wir Besuch aus Basel, drei Kolleginnen sind extra angereist. Dann erstmal eine Schrecksekunde zu Anfang des Konzertes: Der Gig droht zum Desaster zu werden, weil Fran die elektronischen Beats von "Amazing" nicht hören und folglich nicht dazu spielen kann. Patrik steht einsam am Bühnenrand und wartet auf den Einsatz von Fran. Der Bühnentechniker versucht verzweifelt, die Situation in den Griff zu kriegen und schafft es schliesslich nach einigen endlos scheinenden Minuten.

Alles klar, wir atmen auf und donnern los. Auch hier sind wir überwältigt von der positiven Reaktion des Publikums. Vom ersten Ton an grooven die Leute voll ab, undergod. scheint ja richtig tanzbarer Sound zu sein... Schnell wird klar, dass die Leute hergekommen sind, um sich begeistern zu lassen und eine Party zu feiern, wir sind dankbar und geben alles. Zur Abwechslung ist auch wieder mal eine Aftershow-Party organisiert worden. Wir steigen ins Taxi, das uns ins Medigo bringt. "Dort laufen immer Splatterfilme", verraten uns zwei Mädels aus Linz, die unbedingt an die Party mitkommmen wollen und gleich mal eine Flasche Wodka spendieren. Auf dem Bildschirm im Medigo fliesst heute kein Blut, dafür aber der Sekt um so reichlicher am Tresen. Das Beste für uns: der Veranstalter der beiden Österreich-Gigs steht auf undergod. und will weitere Auftritte für uns organisieren. Danke Austria, wir kommen wieder! Und danke Monique, Irene und Noemi, you're the best!!!

Nürnberg. Sonntag, 24. Februar 2002, Hirsch

Hallo, ich bin's, Fran, und übernehme mal für Thommy, der sonst einen Schreibarm riskiert (oder Schreibkopf???) Es schneit, als wir ankommen und Nürnberg wird nach einiger Zeit wohl so ein bisschen "backtotheroots" werden. Das heisst westliche Nüchternheit, was Publikumsaufmarsch und Feedback betrifft. Beim Catering ist davon jedoch erst mal noch nichts zu spüren und wir verwöhnen uns mit Rühreiern und Speck".Ist ja auch Sonntag", schmunzelt, der Junge vom Club.Patrik und ich besprechen zukünftige Lichtpläne, weil uns klar geworden ist, wie wichtig ein Lichtmann für uns wäre in Zukunft. Gurkt mich nartürlich auch mächtig an, fast jeden Gig im Halbdunkel zu durchtasten. Meine Poserseele begehrt auf, sozusagen. Vielleicht seitliche UV-Scheinwerfer auf den Drumriser? Mein Herz klopft und ich bin erst mal ruhiggestellt. Abends rocken wir wie's sein muss, aber wie erwartet: verhaltenes Sonntagspublikum, aber immerhin: in den ersten Reihen ein paar bekannte Gesichter aus dem Osten und ein paar Mädels, die schon jedes Wort von "Amazing" mitsingen. Verrückt, kann ja nicht einmal ich??? Am Stand werden wir eine amtliche Menge unserer Droge los und, grotesk: Patrik und ich (Thommy ist schon über alle Allgäuer Berge mit seiner Claudia abgehauen) werden in ein Auto gezerrt, unterschreiben dessen Decke. O-Ton: "Ihr seid doch die Jungs von underground, oder?"Na ja, every fan is wohl a good fan. Patrik und ich planen, im Bus mit nach Stuttgart zu fahren und dann den Zug zu nehmen. Als ich um 4.30 aufwache und der Bus noch immer steht, bekomme ich Stress, zieh mich an und beschliesse, den Zug zu nehmen. Ich muss schliesslich um 11.00h in Basel auf der Matte stehen. Ich steig aus dem Bus, ein Schneesturm tobt und supersurreal erscheint Kai, Zeromancers Booker, aus dem Nebel, um noch irgendwelche Alkoholika an den Start zu bringen. Er fragt mich, was ich denn vorhätte und ich brabble irgendwas von arbeiten und er meint "arbeiten????? Du bist doch auf Tour" Bin zu müde, etwas zu erklären und frag ihn, ob er an meinen Pass rankommt, den ich in irgend einem anderen Leben mal Gabi gegeben habe. Er meint, Jürgen sei im Container am Knutschen (J. dementiert später heftigstens) und hätte ihn. Dort drin geht's noch mächtig ab, soviel ich beim Licht einer Taschenlampe erkennen kann, und ich muss arbeiten gehen. Hab mich schon besser gefühlt.

Stuttgart. Dienstag, 26. Februar 2002, Röhre

Wir haben alle unsere Moral bei unseren Liebsten gestärkt und sind bereit, in der letzten Woche zu gewinnen. Die Röhre hat ja auch eine ziemliche Vergangenheit und ich begebe mich mit Respekt in die heilige Halle. Alles hat sich wieder mal verzögert, Thommy legt seine Leidenschaft ins Interview und ich verzieh mich nochmals in den Bus, um mir die neue Mundstuhl reinzuziehen. Ich lieg in meiner Koje und lach mir einen ab, sicher komisch für jeden, der da vorbeigeht. Humoristische Selbstbefriedigung? Als ich rausgeh , klopft mich Thommys Arbeitskollege Marc auf die Schulter, ausser Atem, ob wir schon gespielt hätten. Er hat's grad noch geschafft, cool. Wir rocken amtlich, aber eine gewisse Müdigkeit ist nicht zu überhören. Das darf nicht sein. Wir lassen uns nichts anmerken und stellen uns an den Stand und quatschen mit einer Handvoll Chemnitzer , die nach Lörrach gezogen sind und voll auf uns stehen. Sie können's nicht begreifen, uns nicht schon vorher gekannt zu haben und freuen sich schon auf den Gig am 24.3. in Basel. Ich streu ab und zu mal Jürgen Sparwasser oder Rüdiger Schnuphase in die Unterhaltung ein und sie quietschen vor Vergnügen. Im Bus üben wir Selbstkritik und geben uns die Kante.

Heidelberg. Mittwoch, 27. Februar 2002, Schwimmbad

Es ist Heidelberg und ich denk an die Maultasche, die ich mir '99 mit Marcel reingezogen hab hier und wie wir mit Gidi auf den Bieberer Berg gezogen sind und die Offenbacher Kickers aufsteigen sahen (Greuther Fürth, 2:0). Ein unvergessliches Wochenende. Musste mal gesagt sein. Der Club ist um 14.00h noch immer geschlossen, aber ich kann's nicht fassen: morgen spielen hier: DEMON!!!! In Dresden hab ich mir "The Plague" reingerissen aufgrund von Thommys wärmster Empfehlung. Als wir's uns im Bus anhörten, haben wir uns die Hucke vollgegröhlt, wie das doch Staub angesetzt hat mit den Jahren. O-Ton Thommy: "Das war damals brettharter Metal!" Ausgerechnet die spielen hier morgen. Ich zieh mit Patrik in die Stadt und wir peilen das immerwiederselbe an: ich einen Plattenladen, er den lokalen Zeitungsstand. Der örtliche Vinylhändler dann das absolute Paradies: ich finde die "Spirit Of Radio" 7" von Rush, alleine deshalb hätte die Tour sich schon gelohnt.Dazu Mötley Crüe's "Shout At The Devil", die ich seit dem Verzehr von "The Dirt" natürlich haben muss. Und ich wurde nicht getäuscht: sie rockt wirklich! Glücklich zurück im Club checken wir die liebevoll aneinandergereihten Konzertplakate des Schwimmbads aus. Es lohnt sich: PRONG, SOUNDGARDEN, NIRVANA. Thommy' macht sich mit Hammer und Meissel auf die Suche nach Kurt Cobain's Unterschrift irgendwo in dieser Backstage (V.O.'s lassen wir hängen). Er würde wahrscheinlich sogar die PA- und Monitoreinstellungen von Nirvana übernehmen, wenn sie noch auf dem Pult stünden. Der Gig selbst ist fein, wenn wir auf dieser kleinen Bühne auch den Leuten wohl etwas zu hart sind. Am Stand aber werden die Buben von den Männern getrennt und vier GI's ziehn sich vereint unser Doppelpackage rein. "You guys ROCKED!!!"

Hengelo. Donnerstag, 28. Februar 2002, Metropool

Ich wache auf, schau zum Fenster raus, Horden von Radfahrern, ok, Holland. Ich mach mich frisch, von den anderen keine Spur (wo die wohl alle sind??) und stolpere in die Stadt hinein. Typische NL-Kleinstadt, wie Tilburg, Den Bosch oder Breda.Ich zieh mir einen "Kaffee" rein. Auch hier verdient diese Pfütze nicht diesen Namen. Sonst die Leute natürlich alle supernett, nur überall dieser nervtönende US-Fahrstuhlsound übelster Sorte, aber alle summen oder singen happy mit. Aber Holland ist natürlich trotzdem superkompetent in Sachen Rock (der Plattenladen beweist das...) und ich freu mich auf die Show am Abend. Ich komm zurück in die Backstage, alle liegen auf den Sofas mit verklärten und restlos glücklichen Gesichtern. Ja, wo waren denn die wohl? Auch hier kamen schon einige Bands vorbei, z.B. Tool. Der Bühnensound rockt wieder mal so richtig und Sven, der aus Oldenburg für uns hierhergefahren ist, nimmt glücklich den Job an, unseren Auftritt zu filmen. Zum ersten Mal auf der Tour schau ich mir (shame on me....) den ganzen Auftritt von conetik an und find's cool. Denke, Andreas sollte auch singen und sag das dann den Beiden nachher auch nach dem Gig. "No, Andreas can't sing" meint Stian und Andreas nickt dazu ergeben. Ok.André erklärt mir, dass er den Lichttypen meistens anweist, Vollgas Nebel zu fahren bei unserer Show. Jetzt weiss ich, wieso ich in Zürich genausogut ab Tape hätte laufen können. Ich unterhalt mich mit einer Frau, die mich fragt, ob wir aus Texas seien???? No, we're not from Texas, we're from Basel. Sie ist aus Seattle. Von da kommen wir ja auch. Frag mal in Bochum. Als ich mich ans Set setze, sehe ich nicht mal meine Becken, so viel Rauch ist auf der Bühne. Zu den anderen könnte ich auch per Internet in Kontakt sein, es käme aufs selbe heraus. Bin so wütemd,dass ich den Monitormann angurk, "tell the f***n lighting guy to take it easy on the fog" und tatsächlich, 5 Minuten später bin ich in einer Band. Wir rocken wieder wie im Frühling und die Leute nehmen das klar zur Kenntnis. Später im Bus sind wir schon so kaputt, dass wir nicht mal nen richtigen Streit auf die Reihe kriegen. Immerhin haben wir's versucht.

Rostock. Freitag, 1. März 2002, MAU

Heute steht ein riesiges Schiff vor meinem Fenster. Aha, wir sind am Meer. Es ist unsere letzte Show in Deutschland auf dieser Tour und es ist gut, dass sie im Osten ist. Wieder mal eine grosse Bühne und backstage hängen mittlerweile schon "morgens" alle wie die toten Fliegen rum. Ich gönne meinen Lungen etwas Luft und vertret mir die Füsse in der Stadt. Im Hansa- Fanshop die letzten Karten für meine fussballkranken Freunde. Zurück im Club erzählt mir Gabi ein paar Touranekdoten von den Flippers ("die bringen jede Oma zum Kreischen", Billy Corgan ("suuuupernett") und Nena ("die ist ja sowas von Scheisse drauf"). Zu unserem Soundcheck bangen sogar Zeromancers Ost-Freundinnen. Wir haben's geschafft. Ich entspann mich nochmal im Bus mit Morton Feldman und, als ich aufsteh, zuckt's an Chris' Vorhängchen und eine klitzekleine Hand ergreift ein klitzekleines Handtäschchen. Oops. Schon wieder beim Petting erwischt. Wir trinken uns backstage auf die Show ein und liefern das Beste seit Wien ab. In der ersten Reihe wieder die ganze Ost-Crew, und bis hinten schnallen die Leute, dass wir hier um unser Leben spielen. Sie danken mit einem prächtigen Lärmpegel. Thommy dankt's ihnen damit, dass er nochmals betont, wie cool die Konzerte im Osten waren und so schliessen wir uns alle ins Herz. Am Stand greifen wieder eine stolze Anzahl Leute in ihren dünnen Geldbeutel, um was von uns heimzunehmen, wir labern noch rum, so gut's geht (bei Patrik am besten), aber ich und, wenig später, Thommy, geben auf und ziehen uns zurück. Wir sind uns einig, dass das Gelaber wohl das aushöhlendste ist auf Dauer. Ausserdem müssen wir um sechs wieder raus, um den Mietbus in Flensburg zu holen.

Fredericia. Samstag, 2. März 2002, Fredericia Teater

Zum ersten Mal in Dänemark. Auch hier brummt der Schädel. Ich ruf mal Thommy und Patrik an, um rauszufinden, wo zwischen Flensburg und Fredericia die gerade stecken. Sie sind 50m Luftlinie von mir weg im Backstage des Fredericiatheaters. Und zwar schon seit Stunden. So viel zum Zeitgefühl auf Tour. Thommy wandelt in den Gängen in seinen XS-Boxershortsund merkt's gar nicht. So viel zu Realitätsverlust auf Tour. Die Bühne und der Konzertraum sind gigantisch und lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen für den Abend. Ich zieh mir später mal Fredericia rein, aber das hat sich in 15 Minuten erledigt, weil's schlicht und einfach nichts reinzuziehen gibt. Zurück in den heiligen Hallen schleicht mir André über den Weg, steht auf seinem Gesicht geschreiben, dass er deprimiert ist, dass die Tour tatsächlich heute zu Ende gehen soll. Ueberhaupt macht sich so langsam eine Kehrausmelancholie breit und man zeigt sich nochmal, wie gern man sich hat, sich vermissen wird und wie oft man sich schreiben wird. Aber conetik sieht man auch an, wie ausgelaugt sie sind vor Sehnsucht nach ihren Flammen. Die Stunden verstreichen und wir steigen fürs vorerst letzte Mal nochmals in die Hosen. Es stellt sich heraus, dass leider nur eine lächerlich kleine Anzahl Leute sich eingefunden hat, aus was Gründen auch immer (die Verleihung der Danish Music Awards am TV wird's doch wohl nicht sein??).Jedenfalls unwürdig als Tourausklang. Was soll's, wir werden nochmals rocken wie im Frühling. Der Zeitplan ist schon völlig aus dem Lot, als wir auf die Bühne kommen und eine riesiger Vorhang trennt mich von den Jungs vorne.. Das Intro läuft schon und es wird immer absurder und wir lachen uns die Hucke voll und ich bete zu Gott, dass der Vorhang unten bleibe, weil das 1:1 Spinal Tap wäre. Leider geht er im letzten Moment hoch. Es ist zwar wirklich nur eine Handvoll, die sich da vorne verliert, aber die sind laut wie die Hölle! Thommy hat sie bald mal auf seiner Seite und der Gig stellt sich alsvöllig cool heraus. Unser erster Schritt in Skandinavien. Hinterher ist der örtliche Booker vöölig aus dem Häuschen ("your show saved my day") und will uns in Dänemark und Schweden (Patriks Puls auf 180...) eine kleine Tour buchen. Wir sagen nicht nein. Aber nur im Vorprogramm von Mercyful Fate und Pretty Maids haha.... Zeromancer dann haben unglaubliches Pech und einiges Tapmässiges spielt sich auch bei ihnen ab, aber ich find's nicht lustig, weil sie's nicht verdient haben. Vor allem Stromprobleme. Irgendwie kriegen sie's durch . Wir haben schon alles in unseren Van geladen, verabschieden uns kurz, aber herzlich, alles geht plötzlich superschnell und schon sind wir auf der Autobahn Richtung Hamburg und zehn Stunden später auch schon zu Hause. Am Zoll schon der erste Anflug von After-Tour-Blues. Aber das ist nur der Vorgeschmack....