Tourtagebuch 2006

Hannover, 26. Jan. 2006, Capitol


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Über Nacht hat's mal kurz ein Paar Zentimeter Schnee hingelegt, daher kommen wir etwa 2 Stunden später als vorgesehen aus Basel weg. Irgendwo hinter Karlsruhe beruhigt sich das Wetter dann und kurz vor 17h kommen wir beim Capitol in Hannover an. Thommy hat ein déjà-vu, weiss aber nicht mehr wann und mit wem er schon mal hier gespielt hat.

Die Lluther-Jungs, mit denen wir uns die nächsten 10 Tage den Tourbus teilen werden, sind auch schon da und wir machen uns schonmal miteinander bekannt. Ich hab zwar Mühe, mir alle Namen zu merken, aber das wird schon noch. Der Krupps-Soundcheck ist schon in vollem Gange, der Backstage-Bereich gut geheizt und das Catering vom Allerfeinsten. So ein entspannter Touranfang hat schon was für sich, und eventuell vorhandene Nervositäten sind schnell verflogen.

Um 20h30, grad mal ½Stunde nach Türöffnung, geht' s für uns mit «Devil in me» los. Das Publikum ist zwar nicht wegen uns da, aber nach 2-3 Nummern wird klar, dass der Applaus mehr als nur höflich gemeint ist. Das straffe Set mit, wenn überhaupt vorhandenen, sehr kurzen Ansage- und Stimmpausen bewährt sich. Nur schade, dass wir Amazing 'rauskippen mussten. Oh well...

Nach dem Umbau ist für mich erstmal Equipment verpacken angesagt, daher kriege ich vom Lluther-Gig relativ wenig mit. Doch das Bisschen dass ich sehe wirkt sehr druckvoll und macht auch optisch einen wohl durchdachten Eindruck. Bei den Krupps ist das Capitol dann erwartungsgemäss besser gefüllt als noch 1½ Stunden zuvor und man merkt den Jungs (Herren? d.Red.) die «25 Jahre wahre Arbeit» im positiven Sinne auch an: druckvoll, präsent und geradeaus. Und das Publikum macht auch schön «vorwärts-rückwärts-seitwärts».

Gegenüber vom Club ist ein Irish Pub, und bis wir gegen 02h losfahren wird dort schon mal auf die Irisch-Schweizerische Freundschaft angestossen. Das Thema Fussball wird vorläufig (noch) ausgelassen. André

Krefeld, 27. Jan. 2006, Kulturfabrik

Nachdem ich es doch tatsächlich geschafft habe gestern Abend im Nightliner am Tisch einzupennen, während um mich herum eine schweizerisch/irische Party tobte, muss ich mich heute wohl etwas anstrengen, um nicht als Langweiler abgeschrieben zu werden. Obwohl; mir macht der Hangover aus Hannover zwar schon noch etwas zu schaffen. Bis jetzt läuft ja alles ausgesprochen geschmeidig; mit den Jungs von Lluther wäre es schwierig NICHT auszukommen!


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Heute sind wir im (Ruhr-)Pott und die Vorverkaufszahlen lassen einiges Versprechen für heute Abend - ist ja schliesslich auch ein Heimspiel für Die KRUPPS. Ein kurzer Abstecher in die Innenstadt am Nachmittag verläuft ohne namhafte Zwischenfälle, was schon einiges heissen soll für uns... Am Abend dann ist der Backstage schon früh proppevoll, bei einer Gästeliste der Krupps von über hundert Personen ja auch ein Kinderspiel. Wir legen um 21 Uhr mit unserem Set los und das Publikum ist wirklich mehr als wohlwollend. So macht's Spass. Wir rocken was das Zeugs hält und können zufrieden sein mit unserem Gig. Auch die Merch-Verkäufe können sich sehen lassen. Auch für Lluther läufts sehr gut und gewinnen auch viele neue Fans. Bei den Krupps dann ist natürlich von Anfang an die Hölle los und die Jungs rocken ordentlich ab.

Nach der Show gibt's für uns einige Optionen zum Abfeiern und die Wahl zwischen Alternative und EBM fällt auf ersteres. Gemeinsam mit Thomas (Lichtmann von Lluther) ziehen wir los und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Die anfängliche Schüchternheit unsererseits kuriere ich mit ordentlich Absinth. Ein paar Momente später finden wir uns alle auf der Tanzfläche wieder und machen wildeste Sprünge und Kapriolen. Ziemlich bald schon gehört der Dancefloor uns, es fliesst noch mehr Absinth, die Sprünge werden gewagter und die Erinnerungen schwächer. Irgendwann werden wir alle am Kragen von Daniel (Tourmanager Lluther) aus dem Club gezerrt, denn wir haben die abgemachte Zeit zur Abfahrt ordentlich verpennt. Wie ein Haufen schlimmster Hooligans ziehen wir gröhlend in Richtung Bus und im Bus wird noch ordentlich weiter gefeiert. Irgendwann ist 6 Uhr, glaube ich mich zu erinnern... Thommy

--> Fotos von Axel Jusseit <--

Magdeburg, 28. Jan. 2006, Factory

Irgendwie war ich ja gespannt, in welchem Zustand ich am Morgen in Magdeburg aufwachen würde. Aber wieder einmal zeigte sich, dass meine Theorie (Vodka-Orange und Gin-Tonic anstelle von Bier) durchaus seine Richtigkeit hat. Kein Hangover und 100% fit! Im Backstage-Bereich empfängt uns schon ein gigantisches Badezimmer inklusive Whirlpool und Sauna, was meine Stimmung natürlich noch mehr anhebt. Der Soundcheck verläuft für uns dann ziemlich hektisch, da aufgrund technischer Probleme einiges schief läuft...trotzdem schaffen wir es, in 20 Minuten alles zu checken. Das war wohl der schnellste Undergod-Soundcheck ever! Der Gig verläuft weniger "sparkling" wie die zwei Gigs der Vortage, die Leute sind eher zurückhaltend und suchen generell den Ort, der am weitesten von der Bühne entfernt ist... Dementsprechend verläuft auch der Merch-Verkauf eher spärlich. Naja, gibbed halt.

Bei Lluther zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei uns. Ausserdem verbringe ich die Hälfte des Lluhter-Gigs damit, die Scheiss-Deckel meines Cases zu suchen. Also viele Gründe, die Aftershow-Party sehr intensiv zu gestalten! Schon während des Krupps-Konzertes versuche ich, meinen Alkohol-Pegel in schwindelerregende Höhen zu treiben, natürlich mit vollem Erfolg! Irgendwann entdecke ich dann die Hartmetall-Fraktion in einem Nebenraum. Seeeehr cool wie da zu Manowar die Matte geschüttelt und die Faust in die Höhe gereckt wird. Ich piss mir zum Teil fast in die Hose vor Lachen und hole Andrés Cam um das ganze gebührend fest zu halten. Für Amusement sorgen dann auch die "official Groupies" von Team 1, die man nur mit einer fingierten Ankündigung einer Feuerwehrübung wieder aus dem Backstage-Bereich rauskriegt. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Ladies für die Unterhaltung ;-).

So gegen vier Uhr mutiere ich dann zum privaten Psychologen eines Mitglieds der Crew (Name der Redaktion bekannt...), der aufgrund der Anwesenheit des Security-Boyfriends (2 Meter gross, 3 Meter breit oder so) bei der Bardame trotz heftigster Versuche erfolglos bleibt. Originalton: "Ich würde ja soooo gern euren Nightliner sehen, aber das kann ich nicht machen...". Irgendwann nehmen wir dann noch unseren letzten Jägermeister und legen uns auch aufs Ohr. Übrigens: Thommy verbringt diese Nacht definitiv NICHT auf einem Sitz in der Lounge, sondern schaffts tatsächlich für einmal in seine Koje! Cheers! Specki

Berlin, 29. Jan. 2006, Kato


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Einfahrt in Kreuzberg, der Tourbus wird vorm Club praktisch auf die Strasse gestellt. Ausgiebiges Frühstück in einem Café um die Ecke. Am Nachmittag haben Maja und ich Interview-Termin bei einem Internetradio in Spandau, wir brauchen fast eine Stunde bis da hin, Sightseeing auf der S-Bahn-Reise gleich inbegriffen. Netter Empfang. Die üblichen Klischeefragen werden diesmal dankenswerterweise nicht gestellt ("Wovon handelt der Song Berlin?" "Maja, wie ist es für dich als Frau in einer Männerband?").

Berlin-Konzerte sind natürlich immer was Besonderes (das ist unser viertes), nicht zuletzt weil wir erstmals unsere gleichnamige Nummer in besagter Stadt bringen. Viele bekannte Gesichter im Publikum, Jenne vom unserem Label Rabazco, Torsten von der Booking-Agentur Amadis, ein Herr namens Pluto der unser Album gemastert hat... auch Campino von den Toten Hosen wird gesichtet - und natürlich ist auch die gesamte Berliner Fraktion von Team 1 am Start. Der Club ist relativ klein, so auch die Bühne, diesmal drängt sich das Volk unmittelbar davor, so muss es sein. Es rockt heftig, auch hier wo die Leute konzertmässig eher noch mehr verwöhnt sind, gehen sie gut ab. Das Merchandising läuft entsprechend. Finde erstmals die Zeit, den kompletten Lluther-Gig reinzuziehen, die Band spielt so satt wie von der CD bekannt. Die Lluther-Jungs schlagen vor, wir sollten mal für ein paar Gigs nach Irland kommen. Sofort!!

Gerüchteweise soll sich nach dem Gig vor allem Specki in einer Designerdisco mit hoher Dichte an gut aussehenden Ladies zu Minimal-Electro bestens amüsiert haben. Selber gehe ich mit meinem Kumpel Till relativ zeitig los, da mich in seiner Wohnung mal wieder ein richtiges Bett erwartet (während die anderen mit dem Tourbus vorlieb nehmen müssen, hehe). Das sind so die kleinen Freuden auf Tour... Aelle

Berlin, 30. Jan. 2006, Offday

Offday- eigentlich hätten wir ja heute in Prag gespielt, wurde aber leider für uns und Lluther gecancelled. Sehr schade, wir hatten uns ja so darauf gefreut! Aber was soll's, über einen Offday in Berlin kann man sich ja wirklich nicht beklagen. Nachdem wir bis 12.00 Uhr gepennt haben, eine Dusche für satte 7 Euro im Bahnhof Zoo genossen haben, geht's Richtung Prenzlauer Berg. Thommy spielt mal wieder den Reiseführer und das heisst vor allem, laufen, laufen und nochmals laufen. Es ist bitterkalt und wir bekommen einen guten Überblick überall die Baustellen in Berlin. Schliesslich kommen wir dann doch noch an unserem heiss begehrten Ziel an, der Amptown in der Kulturbrauerei! Ich sichte natürlich grad eine wunderschöne Les Paul, hätte ich doch nur 500 Euro flüssig... dann geht's weiter und wir lassen's uns in einem asiatischen Restaurant schmecken. Chief (Bassist von Lluther) ruft uns mehrmals an. Die armen Jungs haben sich total verlaufen. Sch! liesslich finden wir uns dann doch noch und wir gehen alle gemeinsam auf einen kurzen Abstecher in ein Kreuzberger Café. Dann heisst's schon wieder zurück zum Bahnhof Zoo, denn um acht geht's weiter Richtung Erlangen. Kinoabend ist heute angesagt. Zuerst ziehen wir uns Texas Chainsaw Massacre rein und dann versuchen wir verzweifelt Spinal Tap zu installieren. Klappt leider nicht, nun muss mal wieder die neue Mötley Crüe Dvd dran glauben. Besonders begehrt ist natürlich Thommy Cam... dann geht's für alle mal früh (2 Uhr) ins Bett. Es ist verdammt kalt in unseren Kojen, zum Glück habe ich meinen neuen, kuschelwarmen Schlafsack dabei... Maja

Erlangen, 31. Jan. 2006, E-Werk

Was Maja gestern anklingen liess, wird heute Morgen bitter(kalt)e Wahrheit: irgendein Hirni trennt in Erlangen die Stromzufuhr vom Club zum Nightliner, die Heizung fällt aus und wir wachen in einer Tiefkühltruhe auf. Nach etwas Detektivarbeit stellt sich heraus das besagter Mensch A) sehr gross, B) sehr breit aber dafür C) ein sehr kompetenter Koch ist. Es sei ihm also verziehen, denn der Kaffe ist heiss und das Frühstücksbuffet reichhaltig. Und das Nachtessen später versöhnt uns vollends.

Später am Tag gibts noch einen kleinen Schreck, denn Jürgen von den Krupps hat offenbar das Tschechische Catering vom Vortag nicht so gut vertragen und der heutige Gig ist ein Moment lang in Frage gestellt. Doch Arzt (und auch eine gehörige Portion Professionalität) sei Dank: wenn man's nicht weiss merkt man während der Show nix davon. Nur dieses grünliche Leuchten im Gesicht nach dem Konzert...gute Besserung! Für Lluther und uns ist es, nach dem gestrigen Offday, ein willkommenes Zurück zum Touralltag: endlich wieder spielen! Und mit den überlebenden Krupps-Leuten, 3-fach gebranntem Wodka und reichlich Jägermeister findet der Abend seinen angemessenen Ausklang: zuerst in der Disco des E-Werks, danach noch in unserem Tourbus. Wenigstens bis wir die Krupps bei ihrem Hotel abgesetzt haben. Die Nachfrage nach Plastiktüten wird auf der nun folgenden Fahrt übrigens massiv ansteigen und es drängt sich die Erkenntnis auf: bestimmte Abfälle gehören NICHT neben die Lüftung. André

Wien, 2. Feb. 2006, Planet Music

«Aufstehen! Loading Time!» dröhnt es durch den Tourbus. Da die Krupps heute erst später kommen, heisst das für Lluther und uns einmal viel früher Soundcheck als wie ursprünglich geplant. Ich amüsiere mich köstlich. Ein paar noch ganz verschlafene Gestalten versuchen da Amps und Cases herum zustossen, während Aelle und André schon quicklebendig herumhüpfen. Die beiden haben’s ja auch richtig gemacht. Schön zeitig aufstehen und in einem Wiener Kaffeehaus ein ausgiebiges Frühstück geniessen. Mist, habe ich verpennt...

Im Club wird auch schnell mal eines klar. Nette Schilder mit «Rauchen nicht erwünscht» geben uns den lieben Hinweis, dass wir heute vielleicht unseren Rauchkonsum etwas drosseln sollten. Aber nichts da, unser Backstageraum wird zur wahren Raucherhöh(l)le umfunktioniert und hinter dem Merchstand wird fleissig weiter gepafft. Da wir schon um 17 Uhr mit dem Soundcheck fertig sind, beschliessen wir noch ganz schnell in die Wiener Altstadt zu düsen. 1 Stunde Zeit, absolute Highspeedtour! Zuerst in den Stephansdom, und dann einfach kreuz und quer durch die Altstadt. Wir kommen aus dem Staunen kaum mehr heraus, ein prachtvolles Gebäude nach dem anderen. Und eins ist uns allen schnell mal klar; Wien, wir kommen wieder! Hoffentlich ist’s dann einfach ein bisserl wärmer... zurück im Club werden wir mit einem Nachtessen der Sonderklasse verwöhnt, mmh, oberlecker! Leider kann ich nicht so richtig zuschlagen, da wir schon in kürze auf die Bühne müssen.

Pünktlich um halb neun fangen wir mit unserem Set an. Das Planet Music füllt sich immer wie mehr und eins wird schnell mal klar. Die Wiener rocken! Wow! So macht’s Spass! Ich habe nachher natürlich auch meine wahre Freude am Merchstand. Die CD’s gehen weg wie warme Semmeln und ich kann auch mal vom Merchstand die ganzen Konzerte von Lluther und den Krupps sehen. Juhui! Also, vielen Dank euch Wiener, wir kommen wieder!!!

Etwas vor Mitternacht beginnt dann die grosse Hektik, wo sind sie denn alle wieder? Und dann endlich, Torten, Kerzen an, und jeder in seiner Tonlage; «Happy Birthday Gerry!» Ein paar irische Trinklieder werden angestimmt und noch bis in die frühen Morgenstunden wird gefeiert... Maja

Pratteln, 4. Feb. 2006, Z7


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